Fehlgeschlagene Haartransplantation

Fehlgeschlagene Haartransplantation

Die meisten Fehler bei einer Haartransplantation passieren schon im Vorfeld, also bevor der Arzt überhaupt die ersten Grafts (Follikel) verpflanzt hat. Der Grund dafür sind Ärzte, in diesem Fall auch Schönheitschirurgen, die ihre Patienten falsch, beziehungsweise unvollständig über den Eingriff aufklären, obwohl Haartransplantationen zu den risikoärmsten schönheitschirurgischen Eingriffen überhaupt gehören.

Werden Sie schon im Vorfeld ausreichend über den Behandlungsablauf und auch Komplikationen informiert, fällt es Ihnen wahrscheinlich leichter, sich für oder gegen einen solchen Eingriff zu entscheiden. Doch wie kommt es eigentlich zu einer fehlgeschlagenen Haartransplantation und was kann ich als Patient tun, wenn ich davon betroffen bin? – Diese Frage wollen wir hier beantworten.

Welche Gründe gibt es für eine fehlgeschlagene Haartransplantation?

Haarausfall ist ein weit verbreitetes Problem, sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Die am weitesten verbreitete Form ist der erblich bedingte Haarausfall (androgenetische Alopezie), von der etwa 95% der Menschen betroffen sind, die unter Haarverlust leiden.

Eine Haartransplantation ist das einzige Mittel, das dauerhaft und nachhaltig bei dieser Form von Haarausfall hilft – ohne Nebenwirkungen. Doch schon bei der Auswahl der richtigen Klinik kann einiges schief laufen. Ein solcher Eingriff ist in Deutschland nämlich sehr teuer und die Krankenkassen übernehmen in den seltensten Fällen die Kosten dafür.

Viele Menschen entscheiden sich deswegen für eine Eigenhaarverpflanzung in der Türkei. Eine Schönheitsoperation wie eine Haartransplantation kostet nur den Bruchteil des Preises, der in Deutschland bei einem Eingriff dieser Art fällig werden würde. Wobei „günstig“ nicht gleichzusetzen ist mit „schlecht“. Die Ärzte der meisten Kliniken in der Türkei arbeiten ausschließlich mit der modernen FUE-Technik. Die FUT-Methode (Strip oder Streifentechnik) gilt dort als hoffnungslos veraltet.

Aber selbst in der Türkei hat eine Haartransplantation ihren Preis – auch wenn dieser wesentlich günstiger ist als in Deutschland. Stoßen Sie allerdings auf Angebote mit Dumpingpreisen, sollten Sie lieber von einem Eingriff dort besser absehen.

Denn sonst besteht durchaus das Risiko, dass bei Ihrer Haartransplantation einiges schief gehen kann. Oft nehmen in solchen Kliniken Ärzte und ihre Teams solche Eingriffe vor, die über fast gar keine Berufserfahrung verfügen. Da beginnen die Fehler schon bei der Haarlinie, die beispielsweise falsch eingezeichnet wird. Sehr oft werden auch die Grafts falsch eingesetzt oder die Haarwurzeln der umliegenden Haare verletzt, so dass diese dann auch noch beginnen auszufallen – was ja eher nicht beabsichtigt ist.

Ein weiterer Fehler, der gerade unerfahrenen Ärzten sehr oft unterläuft, ist der sogenannte „Puppenkopfeffekt“. Dieser entsteht dann, wenn der Arzt zu wenige Double Hair Grafts verwendet, also Follikel, in denen zwei Haarwurzeln sitzen – oder die Grafts in falschen Abständen eingesetzt werden. Dann entsteht ein extrem unnatürliches Aussehen und die Haare stehen struppig vom Kopf ab – eben wie bei Puppenhaaren.

Solche Fehler unterlaufen aber wirklich nur extrem unerfahrenen Ärzten und deren Teams und sind glücklicherweise sehr selten. Die Qualität der Eingriffe hat etwas damit zu tun, dass der Medizintourismus in der Türkei ein sehr großer Wirtschaftsfaktor ist. Wenn eine Klinik und der zuständige Arzt unzureichende Arbeit abliefern,  wird sich das sehr schnell herumsprechen. Fehlgeschlagene Haartransplantationen sind in der Türkei große Ausnahmen von der Regel.

Es gibt aber noch weitere Gründe für eine fehlgeschlagene Haartransplantation. Einer davon ist eine falsche Erwartungshaltung, was mit einer Haarverpflanzung möglich ist und was nicht. Aus einer Halbglatze wird beispielsweise nie eine wallende Löwenmähne werden. Jeder gute Arzt, egal ob in der Türkei oder in Deutschland, wird Sie darüber aufklären, ob das von Ihnen gewünschte Ergebnis auch erreicht werden kann und Ihnen gegebenenfalls Alternativvorschläge unterbreiten.

Bitte bedenken Sie auch, dass eine Haartransplantation – auch wenn Sie minimalinvasiv unter örtlicher Betäubung vorgenommen wird – immer ein operativer Eingriff ist, der gewisse Risiken birgt.

Wie finde ich den richtigen Arzt/Klinik, um mich vor einer fehlgeschlagenen Haartransplantation zu schützen?

Es spielt keine Rolle, ob Sie Ihre Haartransplantation in Deutschland, in der Türkei oder anderswo im Ausland vornehmen lassen wollen: Recherchieren Sie immer ausgiebig. Glücklicherweise gibt es heutzutage Bewertungsportale speziell für Ärzte wie beispielsweise Jameda. Auch die Google- und Facebook-Bewertungen geben Aufschluss darüber, wie gut die Arbeit des Arztes/der Klinik/des Anbieters ist.

Zudem werden Sie von einem seriösen Anbieter auch immer Vorher/Nachher Bilder von Patienten erhalten, die den Eingriff bereits hinter sich haben und sich wieder über schönes und volles Haar auf ihrem Kopf freuen. Aufgrund der deutschen Gesetzgebung dürfen solche Bilder übrigens nicht mehr auf der Homepage veröffentlicht werden. Das ist auch ein Hinweis auf einen unseriösen Anbieter, wenn Sie solche Bilder auf der Seite finden.

Manche Anbieter ermöglichen zudem auch den direkten persönlichen Kontakt zu ehemaligen Patienten. Ein weiterer Anlaufpunkt sind Internetforen.

Haartransplantation schief gelaufen – was kann ich tun?

Eine fehlgeschlagene Haartransplantation ist heutzutage glücklicherweise kein Grund zu verzweifeln. Fast alle Fehler sind reversibel, auch eine misslungene Haarlinie. Bei solchen Patienten ist der Leidensdruck meist besonders hoch, da der Haaransatz doch das erste ist, was den meisten ins Auge fällt.

Zuerst einmal empfiehlt es sich, bei einer schiefgelaufenen Haartransplantation einen Fachanwalt für Medizinrecht aufzusuchen. Dieser wird zunächst Ihre Haarverpflanzung von einem Spezialisten begutachten lassen der genau feststellen kann, ob das nicht geglückte Ergebnis am Eingriff selbst oder nicht vielleicht doch an Ihnen liegt.

Anschließend geht es dann in das normale Verfahren. Ihr Anwalt wird entweder eine Kostenrückerstattung erstreiten und/oder die Klinik zu einer Revisionsoperation (Korrektureingriff) verpflichten. Wobei dies nicht immer so ganz empfehlenswert ist. Besprechen Sie diesen Sachverhalt mit Ihrem Fachanwalt für Medizinrecht. Eventuell kann er Ihnen auch einen Anbieter empfehlen, bei dem Sie die Revisionsoperation vornehmen lassen können.

Es ist übrigens Ihr gutes Recht zu reklamieren, wenn Ihre Haartransplantation fehlgeschlagen sein sollte. Schließlich haben Sie auch sehr viel Geld für den Eingriff bezahlt.

Was kann ich tun, damit meine Haartransplantation gelingt?

Wie bereits angeschnitten, liegt die Schuld für eine misslungene Eigenhaarverpflanzung nicht immer bei der Klinik. Es gibt nämlich auch durchaus Patienten, die selbst verschulden, dass das Endergebnis eher suboptimal ausfällt.

Halten Sie sich, auch in Ihrem eigenen Interesse, immer an die Anweisungen des Arztes, um die Heilungsphase günstig zu beeinflussen. Nehmen Sie die Medikamente wie verordnet ein. Das gilt übrigens ganz besonders für das Antibiotikum, das Entzündungen verhindern soll.

In den ersten fünf Tagen nach dem Eingriff sind sowohl die Kopfhaut als auch die Grafts extrem empfindlich. Schützen Sie deshalb Ihren Kopf sowohl vor direkter Sonneneinstrahlung und auch vor Stößen und Schlägen. Vor allem gilt: Nicht kratzen – egal wie sehr es auch jucken mag. Denn sonst besteht die Gefahr, dass Sie die frisch verpflanzten Grafts gleich wieder herauskratzen. Auch die postoperative Haarwäsche sollte so sanft wie möglich vorgenommen werden.

Bedenken Sie bitte auch, dass die „neuen“ Haare etwa 12 bis 14 Monate benötigen, bis sie komplett nachgewachsen sind. Es ist auch völlig normal, dass die transplantierten Haare etwa zwei Wochen nach dem Einsetzen in den Empfängerbereich wieder ausfallen. Die Follikel, in denen die Haarwurzeln sitzen, sind in der Kopfhaut verblieben und gehen dann erst mal in die sogenannte Ruhe. Schlussendlich wird eine gelungene Haartransplantation auch immer ein wenig eine Geduldsprobe sein.