Geheimratsecken

Geheimratsecken

Jugendlichkeit und Attraktivität sind auch in der heutigen Zeit Attribute, die mit schönem und vollem Haar verbunden werden. Leider ist aber nicht jeder Mensch von Natur aus mit dichtem Haarwuchs gesegnet. Bei manchen ist die Kopfbehaarung schon von Natur aus eher dünn und fein, während sich bei anderen wiederum die Haarpracht erst im Laufe der Jahre verabschiedet.

Die am häufigsten verbreitete Form von Haarausfall ist die androgenetische Alopecie, medizinisch Alopecia Androgenetica oder umgangssprachlich: der erblich bedingte Haarausfall. Befragt man die Statistik, leiden etwa 40 % der Frauen darunter und etwa jeder zweite Mann. Ein untrügliches Anzeichen für die androgenetische Alopezie bei Männern sind die sogenannten Geheimratsecken, die am Beginn dieser Form des Haarverlusts entstehen.

Natürlich gibt es aber auch gegen diese Art von Haarverlust eine dauerhafte und vor allem nachhaltige Abhilfe, nämlich eine Haartransplantation.

Diese Operation gehört mittlerweile zu den häufigsten schönheitschirurgischen Eingriffen überhaupt, und ist mittlerweile sozusagen im „Mainstream“ angekommen. Spätestens seit Prominente wie Fußballtrainer Jürgen Klopp dazu stehen, bei ihren Geheimratsecken etwas (oder etwas mehr) nachgeholfen zu haben.

Die androgenetische Alopezie und Geheimratsecken

Der erblich bedingte Haarausfall beginnt bei Männern meist in den frühen Zwanzigern aber schon in der Pubertät gibt es erste Anzeichen, dass es um die Haarpracht später nicht ganz so gut bestellt sein wird.

Bei der androgenetischen Alopezie reagieren die Haarwurzeln empfindlich auf DHT, ein Androgen, das aus dem Hormon Testosteron gebildet wird. Vielleicht denkt jetzt der eine oder andere, dass Männer die eine Glatze haben oder zumindest Geheimratsecken, irre viel von diesem „Männlichkeitshormon“ im Blut haben, und ihnen deswegen die Haare ausfallen. Dem ist aber definitiv nicht so.

Im ersten Schritt wachsen die Haare beim erblich bedingten Haarausfall zunächst feiner und immer spärlicher nach, bis die Haarwurzeln das Wachstum komplett einstellen und absterben.  Zunächst entstehen die Geheimratsecken. Im weiteren Verlauf wird das Haar am Hinterkopf immer dünner und die sogenannte Tonsur bildet sich heraus. Irgendwann verbinden sich Geheimratsecken und Tonsur, und der Mann hat eine Glatze.

Wie schnell der Haarausfall voranschreitet ist von Mensch zu Mensch verschieden. Manche Männer haben bis ins hohe Alter lediglich Geheimratsecken, während andere wiederum schon mit Mitte zwanzig fast kahl sind. Die Ursache liegt, wie der Name erblich bedingter Haarausfall schon verrät, in den Genen.

Übrigens fallen bei Alopecia Androgenetica die Haare nie komplett aus. Im sogenannten Haarkranzbereich wachsen die Haare immer weiter, auch wenn der Haarausfall schon relativ weit fortgeschritten ist. Das liegt daran, dass die Haare die dort wachsen, relativ unempfindlich gegen das DHT sind.

Fallen die Haare komplett aus, ist es eher wahrscheinlich dass der Betroffene unter Alopecia Totalis beziehungsweise Alopecia Universalis leidet – einer Form des kreisrunden Haarausfalls, bei der das eigene Immunsystem die Haarfollikel attackiert. Es handelt sich hierbei um eine Autoimmunerkrankung.

Früher, insbesondere im alten Griechenland, galten Geheimratsecken übrigens als Zeichen würdevollen Alterns. Auch auf mittelalterlichen Gemälden findet man oft Herren die unverkennbar mit Geheimratsecken gemalt wurden. Ein sehr gutes Beispiel sind hier Bilder von Johann Wolfgang von Goethe. In Österreich werden sie übrigens Hofratsecken genannt.

Können auch Frauen Geheimratsecken haben?

Auch die Damenwelt bleibt von der androgenetischen Alopezie nicht verschont. Bei ihnen beginnt der Haarausfall meistens sehr viel später, meistens mit Einsetzen der Wechseljahre, wenn der Hormonhaushalt in Ungleichgewicht gerät. Was aber nicht heißen soll, dass nicht auch sehr junge Frauen unter dem erblich bedingten Haarausfall leiden können.

Bei den Damen fällt das Haar meistens entlang des Mittelscheitels aus, bis irgendwann keine Haare mehr nachwachsen und kahle Stellen entstehen. Eine komplette Glatze ist eher selten. Aber auch Geheimratsecken können durchaus vorkommen.

Frauen können sich natürlich ebenso einer Haartransplantation unterziehen wie Männer um ihren Geheimratsecken beziehungsweise ihrem erblich bedingten Haarausfall zu Leibe zu rücken.

Welche Techniken kommen bei einer Haartransplantation zum Einsatz?

Heute haben sich zwei Methoden etabliert, um immer lichter werdende Haare wieder aufzufüllen – Die FUT-Technik und die FUE-Methode.

FUT-Technik: Bei der FUT-Methode, auch als Strip- oder Streifentechnik bekannt, wird zunächst ein schmaler Hautstreifen aus dem Spenderbereich entnommen. In diesem sitzen die Grafts, also die Haarfollikel in denen wiederum die Haarwurzeln sitzen. Aus diesem Hautstreifen werden die Grafts anschließend herauspräpariert und in den Empfängerbereich – also die Geheimratsecken eingesetzt. Dabei achtet der Arzt peinlich genau auf die natürliche Wuchsrichtung der Haare damit das anschließende Ergebnis möglichst natürlich wird.

Dann wird die Wunde, die durch die Entnahme des Hautstreifens entstanden ist, mit einer speziellen Technik wieder vernäht. Zurück bleibt lediglich eine schmale Narbe, die mit den Haaren verdeckt werden kann. Die FUT-Methode ist sehr gut für Menschen geeignet, die ihre Haare gerne länger tragen. Die Abkürzung steht übrigens für Follicular Unit Transplantation.

FUE-Methode: Bei der FUE-Methode werden im ersten Behandlungsschritt die Grafts einzeln aus dem Spenderbereich entnommen. Dieser liegt im Haarkranz, der auch Donorbereich genannt wird. Das besondere an den Haaren die dort wachsen ist, wie schon oben erwähnt, dass sie relativ unempfindlich gegen das Hormon DHT sind. Die Entnahme erfolgt unter der Zuhilfenahme einer speziellen Hohlnadel. Anschließend werden die Haarwurzelkanäle im Empfängerbereich – also den Geheimratsecken – geöffnet und die Haarfollikel unter dem Mikroskop auf ihre Qualität geprüft.

Im zweiten Behandlungsschritt werden die Grafts dann in den Empfängerbereich wieder eingesetzt. Hierbei achtet der Arzt ebenso genau auf die natürliche Wuchsrichtung der Haare. Die Abkürzung FUE steht für Follicular Unit Extraction und ist die derzeit modernste Methode für Eigenhaarverpflanzungen.

Verfügt der Betroffene beispielsweise aufgrund eines Unfalls nicht über genug Material im Spenderbereich können auch Bodygrafts zum Einsatz kommen, also Haare aus anderen Körperbereichen. Mit der DHI Methode die auf der FUE-Technik basiert entfällt sogar ein kompletter Arbeitsschritt, das Öffnen der Haarkanäle, da die Grafts „Just in Time“ verpflanzt werden.

Haartransplantationen – nicht nur an den Geheimratsecken – gehören zu den risikoärmsten schönheitschirurgischen Eingriffen. Die Operation wird in der Regel minimalinvasiv unter örtlicher Betäubung vorgenommen. Das größte Risiko besteht bei der FUT-Technik. Beherrscht der behandelnde Schönheitschirurg/Spezialist die Vernähtechnik nicht richtig, besteht durchaus das Risiko, dass eine unschöne und wulstige Narbe zurückbleiben kann.

Geheimratsecken sind kein Schicksal mit dem man(n) sich unwiderruflich abfinden muss. Mit einer Haartransplantation lassen sich die kahlen Stellen an den Schläfen dauerhaft wieder auffüllen. Bleibt noch abschließend die Frage nach den Kosten der Haarverpflanzung. Das kann aber so pauschal nicht beantwortet werden, da es hier darauf ankommt, wie weit der Haarausfall schon voran geschritten ist. Sollen nur die Geheimratsecken aufgefüllt werden oder eventuell sogar eine beginnende Stirnglatze mit Tonsur? Je mehr Grafts verpflanzt werden müssen umso teurer wird der Eingriff.


 
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